Mirabellenfrüchte am BaumMirabellenfrüchte am Baum
Bild: © lianem - 123rf.com

Mirabellen – wahre Schönheit trägt Gelb

In den Obstregalen ist sie nur selten zu finden. Wer sie genießen möchte, ist im Vorteil, wenn er einen Garten hat: Die warmgelbe Mirabelle erfreut nicht nur das Auge, sondern überzeugt durch ihren feinwürzigen Geschmack. Überall dort, wo ein ausgeglichenes Klima herrscht, etwa in Weinbaugebieten, fühlt sich die Mirabelle wohl.

Die Verwandtschaft zu anderen Arten der Gattung Prunus ist unverkennbar. Die Mirabelle (bot. Prunus domestica, subsp. syriaca) zählt zu den Unterarten der Pflaume. Sie ist auch als Gelbe Zwetschge und Gelbe Pflaume bekannt. Gelegentlich wird sie mit der gelb-roten Kirschpflaume (bot. Prunus cerasifera) verwechselt. Diese wird jedoch von der Mirabelle im Geschmack fast immer übertroffen.

Seiteninhalt

  1. Goldene Spätsommerfrüchte
  2. Herkunft und Geschichte
  3. Herkunft der Bezeichnung
  4. Anbaugebiete in der Gegenwart
  5. Mirabelle de Lorraine
  6. Mirabellen einkaufen – wichtige Regeln
  7. Allergien und Nebenwirkungen
  8. Interessantes über Mirabellen
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Goldene Spätsommerfrüchte

Im Spätsommer fällt ein üppig behangener Mirabellenbaum von weitem auf. Die runden, gelben Früchte, ziehen die Blicke auf sich. Vollreife Früchte können einen gelborangen Farbton aufweisen. An der Sonnenseite zeigen Mirabellen mitunter rote Flecken. Je optimaler die Bedingungen für diesen Obstbaum sind, desto größer und wohlschmeckender werden seine Früchte. Sie sind süß und saftig, eine feine Würze zeichnet das Aroma aus. Was nicht gleich von der Hand in den Mund wandert, lässt sich prima verarbeiten: Der Saft schmeckt nicht nur pur, sondern auch als Schnaps und Likör. Auch für Marmelade und Gelees sind Mirabellen ideal. Wer mag, weckt die Mirabellen als Kompott ein, um sich auch im Winter am vollen Aroma zu erfreuen.

Herkunft und Geschichte

Wie bei vielen Gewächsen deutet bereits der botanische Name der Mirabelle auf ihre Herkunft hin. Durch den Zusatz "syriaca" erkennt man, dass einst der Orient, vielleicht sogar bevorzugt das Gebiet des heutigen Syriens, die Heimat dieses Baumes war. Über Griechenland fand die Mirabelle Einzug in andere europäische Länder. Im Rom der Antike waren sogar mehrere Pflaumenarten, unter ihnen auch Mirabellen, geschätzt.

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Nun findet man sie in allen gemäßigten Zonen Europas, wenngleich Frankreich seit dem späten 15. Jahrhundert zur zweiten Heimat der Mirabelle wurde. Die süße Frucht wurde dort vor allem in Lothringen so beliebt, dass ihr der Name "La Reine de Lorraine" - "Die Königin von Lothringen" verliehen wurde. Es ist überliefert, dass der Herzog von Anjou und Lothringen, der spätere König René, die Mirabellen aus einer ihrer Ursprungsregionen, dem Kaukasus, importieren ließ. Sie wurden der Überlieferung nach in Mirabeau in der Vaucluse eingepflanzt und gezogen. Erste schriftliche Aufzeichnungen und sichere Nachweise über den Anbau in Frankreich stammen aus dem Jahr 1490.

Es dauerte, bis die Mirabelle auch in Deutschland verbreitet war. Erst im 18. Jahrhundert wird hier von Mirabellen berichtet. Die bekanntesten Sorten stammen jedoch nach wie vor aus Frankreich. Allen voran ist dies die Mirabelle von Nancy, die allerdings im gesamten Westeuropa zu den am weitest verbreiteten Mirabellensorten gehört. Im Handel sind Mirabellen eher selten erhältlich. Bestenfalls findet man sie zur Haupterntezeit auf Bauernmärkten. Dies liegt vor allem daran, dass die gelbe Frucht nur kurze Zeit lagerfähig ist. Dass der Mirabellenbaum wenig Ansprüche stellt und fast überall gedeiht, ist sogar vielen Gartenbesitzern nicht bekannt. Mirabellen gelten deshalb nach wie vor als Geheimtipp. Wer sie kennt, schätzt sie aber umso mehr.

Herkunft der Bezeichnung

Es gibt mehrere Hypothesen, die sich mit dem Ursprung des Namens "Mirabelle" beschäftigen:

  1. So manche Kundige sind der Ansicht, er stamme von dem italienischen Namen Myrobolan. Dieser setzt sich aus zwei griechischen Begriffen zusammen: Myron für "Parfum" und Balanos für "Eichel" oder "Nuss". Man geht davon aus, dass sich der Begriff im 17. Jahrhundert in Mirabolano und Mirabella gewandelt hat.
  2. Zu Mirabella passt auch eine andere Annahme, nämlich, dass der Wortursprung das lateinische mirabilis ist. Es steht für "wunderbar", "wunderschön" und "bewunderswert".
  3. Auch einen menschlichen Namensgeber vermutet man im Wort Mirabelle. Der wörtlichen Überlieferung nach gab es im 15. Jahrhundert im lothringischen Metz einen Bürgermeister namens Mirabel. Es wird behauptet, dass dieser 1430 dem Baum seinen Namen gab.
  4. Eine weitere, sehr wahrscheinliche Erklärung ist, dass die Mirabelle nach einem Ort benannt ist, an dem sie früh schon angebaut wurde. So finden wir in Südfrankreich gleich mehrere Gemeinden und Städte, die als Namensteil oder ganzen Namen "Mirabel" stehen haben. Zu dieser Theorie gibt es sogar einen Nachweis. 1649 erwähnt Comenius im Zusammenhang mit petitete prune, französisch für "kleine Pflaume", den Begriff prune de Mirabel, "Pflaume von Mirabel". Allerdings findet sich auch hier der schon genannte sprachliche Hintergrund. Mirabel setzt sich aus zwei okzitanischen Begriffen zusammen. Der Wortteil mira bedeutet "Aussehen", und bèl wiederum "schön" oder "was schön ist"[1].

Anbaugebiete in der Gegenwart

Die Mirabelle wird nun auch Mitteleuropa und Südeuropa angebaut. In Nordafrika gibt es ebenfalls Anbaugebiete. Dennoch ist die Mirabelle ihrer zweiten Heimat treu geblieben. Die Hauptanbaugebiete Mitteleuropas liegen nach wie vor in Frankreich. Wie im 15. Jahrhundert schon findet man die Mirabelle in Lothringen und auch im nördlichen Elsass und dem Département Haute-Saône. Der Ernteertrag in Lothringen beträgt jährlich über 15.000 Tonnen[1].

In Deutschland liegt der Bestand an Mirabellenbäumen hauptsächlich in den Weinbaugebieten. Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bayern sind führend im Anbau. Dennoch ist die Ertragsmenge gegenüber der französischen Ernte geringer. 2017 wurden 2.700 Tonnen Früchte verzeichnet, 2018 bereits 8.900 Tonnen Mirabellen inklusive der nah verwandten Renekloden[5].

Einzelne kleinere Plantagen gibt es zudem auch in Tschechien und der Slowakei, in Polen und der Ukraine. Im Mittelmeerraum, wo Mirabellen erst spät verbreitet waren, gibt es seit dem 20. Jahrhundert kleinere Anbaugebiete in Galicien.

Eine Besonderheit bietet England. Hier wachsen Mirabellen teils wild, aber auch in Kultur. In Maylandsea in der Grafschaft Essex und um Alresford in Hampshire kennt man auch orange und rote Mirabellensorten[2].

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Ein Großteil der gewerblich angebauten Mirabellen kommt als Konserven, als Konfitüre und Likör sowie als Mirabellenbrand und anderer Spirituosen auf den Markt.

Mirabelle de Lorraine

Für die Mirabellenproduktion der französischen Region Lorraine steht Mirabelle de Lorraine als feste Bezeichnung. Seit 1996 ist dieses Label sogar geschützt, die Angaben "Label rouge" und "Indication Géographique Protégée" (kurz IGP) dürfen nur für Mirabellen und deren Produkte aus der Region verwendet werden. Dieses Herkunfts- und Qualitätssiegel steht unter der Verwaltung des Vereins Mirabelles de Lorraine. Voraussetzung für die Vergabe dieses Siegels ist eine Mindestgröße von 22 mm. Auch der Zuckergehalt ist klar reguliert: Er muss mindestens 16 Grad Brix (ein Messverfahren, das die relative Dichte von Flüssigkeiten bezeichnet) betragen. Dass die Mirabellen ausschließlich aus Lothringen und seinen vier Départements Vosges, Mosell, Meuse und Meurthe-et-Moselle sind, ist ebenfalls eine unveränderliche Vorgabe[3][4].

Mirabellen einkaufen – wichtige Regeln

Die Mirabellen gehören zu sehr empfindlichen Obstsorten und können sogar im Kühlschrank nicht über einen längeren Zeitraum gelagert werden. Daher ist diese Pflaumenart eher selten in einem Supermarkt zu sehen. Auf dem Wochenmarkt dagegen sind während der Saison, also im Sommer und frühen Herbst, die Gelben Zwetschgen zu kaufen. Auch direkt beim Bauer gibt es immer wieder Mirabellen zu erwerben, unter anderem aus ökologisch zertifiziertem Anbau.

Wie lässt sich eine perfekt gereifte, lecker-saftige Mirabelle finden? Die Mirabellenfrüchte sollen fest, aber auf keinen Fall zu hart sein. Glatte, pralle Fruchtschale, ohne Rost und Fäule ist auch ein klares Zeichen für die optimale Reifestufe. Ist auf der Haut ein feiner, weißlicher Film oder Überzug zu sehen, sind die Früchte frisch geerntet und wurden nach dem Ernten möglichst schonend behandelt.

Allergien und Nebenwirkungen

Beim Verzehr von Mirabellen treten kaum Allergien auf. Wer gegen Fruchtzucker allergisch ist und wem Pflaumen generell nicht gut bekommen, soll lieber auf die Mirabellen verzichten. Übermäßiges Konsumieren der Früchte führt erfahrungsgemäß häufig zu diversen Magen-Darm-Verstimmungen wie Blähungen, Durchfall oder Magenkrämpfen.

Vor dem Verzehr von Mirabellenkernen ist grundsätzlich abzuraten. Wie die Kerne von den meisten Steinobstsorten, enthalten auch die Steine (Kerne) der Mirabellen einen cyanogenes Glykosid Amygdalin. Amygdalin gilt als gesundheitsschädlich, denn es enthält Blausäure in gebundener Form. Im Darm wird die Blausäure freigegeben und führt nachweislich zu diversen Vergiftungssymptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindelgefühle. Je höher die Konzentration, desto größer die Vergiftungsgefahr. Heilende Wirkung der Mirabellenkerne konnte dagegen bisher keineswegs festgestellt werden.

Also lieber versuchen, aus einem Stein einen Mirabellenbaum zu ziehen, als diesen zu verzehren.

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Interessantes über Mirabellen

Für Mirabellen gilt in den Vereinigten Staaten von Amerika eine starke Einfuhrbeschränkung. Sie dürfen nur aus der Region der geschützten Ursprungsbezeichnung, also aus der Lorraine, importiert werden. Dies schränkt naturgemäß die Möglichkeiten, in den USA Mirabellenfrüchte zu bekommen, außerordentlich stark ein.

In Frankreich dagegen ist die Mirabelle auch heute noch eine Königin. Ihr zu Ehren gibt es in der gesamten Lorraine Mirabellenfeste. In Bayon, südlich von Nancy, wird seit 1936 anlässlich dieses Festes die Miss Mirabelle gewählt. In Metz gibt es seit 1947 die Wahl der Mirabellenkönigin, die ebenfalls mit einem Fest verbunden ist. Auch das Mirabellenfest Trois Maisons, einem Stadtteil von Nancy, hat eine lange Tradition. Es existiert seit 1945.

Quellenangaben

  1. Mirabelle (Fr.) | wikipedia.org
  2. Mirabelle plum (En.) | wikipedia.org
  3. Mirabelle de Lorraine (Fr.) | mirabelles-de-lorraine.fr
  4. Mirabelle de Lorraine (Fr.) | wikipedia.org
  5. Flächen und Erntemengen im Marktobstbau | Statisches Bundesamt